BİZ BİZE

27.05.2022 - Orangerie Körnerpark

Nur wenige andere Städte in Deutschland stehen so sehr für postmigrantische Kultur wie Berlin. Doch auch hier ist es für postmigrantisch kulturelle Räume schwer zu überleben oder gar zu entstehen - sei es aufgrund der rasanten Gentrifizierung, die Innenstädte homogenisiert oder einer weißen Kulturförderlandschaft. Dabei sind sie dringend notwendig: In eigenständigen Räumen kann Kunst entstehen, die freier ist von den Erwartungen der Dominanzgesellschaft. Hier kann kulturelles Leben selbstbestimmter stattfinden und Solidarität zwischen unterschiedlichen Communities wachsen.

Unter dem Motto “Biz Bize”, auf Deutsch “unter uns” diskutieren am Vortag des İç İçe Festivals die Journalistin und Veranstalterin Nabila Abdel Aziz und Melissa Kolukisagil von İç İçe mit Gästen aus Musik, Kunst und Aktivismus unterschiedliche Strategien, wie unabhängige, postmigrantisch-kulturelle Räume geschaffen, unterstützt und bewahrt werden können. Mit dabei sind Tülin Duman, Jaqueline Saki Aslan und Elif Çelik.

PROGRAMM

Eda Tanses & Levante

Eine Brise Anatolien mit einem Touch Okzident zeichnen Eda Tanses und Band Levante, neben einer Endlosschleife unterschiedlicher Groves und vielen eigenen Klängen aus. Levante nimmt euch auf verschiedenen Sprachen des Orients, u.a. türkisch, kurdisch, armenisch und arabisch mit, auf eine Reise zwischen Folklore, Fusion und Kunstmusik. Die sphärischen Klänge der verschiedenen Instrumente treffen auf temperamentvolle Improvisationen verschiedener Elemente zwischen Orient und Okzident und bilden eine Brücke jenseits von Gedanken zur Gegenwart.

Eda Tanses: Gitarre, Tenbûr, Gesang
Aram Atti: Saz-Büs, Baglama, Geige, Gesang
Markus Wach: Kontrabass, verschiedene Streichinstrumente des Orients
Mirweis Neda: Tabla

Nedalot

Neda Sanai ist eine in Berlin ansässige DJ und Produzentin, die sich in der queeren Underground-Szene von Europa bewegt. Mit ihrer gekonnten Mischung aus verschiedenen Club-Genres, darunter Rap, R&B, Bassmusik, Jersey Club, 2 Step, alles vermischt in einem Meer von verdrehtem Pop-Acappella, ist die Stimmung immer intensiv-verdreht-sexy.

Als Resident-DJ bei der ByteFM Female:Pressure Radioshow und nach der Moderation mehrerer Shows beim Berliner Community Radio zeigt Nedalot, wie sich ein DJ in verschiedenen Klangspektren und dramaturgischen Vorstellungen von Musik bewegen kann. Nedalot hat sich bereits einen Namen gemacht, indem sie als Opener für Acts wie DIPLO, A.G Cook und Zebra Katz aufgelegt hat. Sie ist auch dafür bekannt, dass sie in Berlin Underground-Queer-Clubnächte veranstaltet, bei denen Musik, Kunst und Politik aufeinandertreffen. In der Vergangenheit hat sie mit Künstler:innen wie CocoRosie für ihr Album "Grey Ocean", Massimiliano Pagliaras EP "Toxic Love" und für das Debütalbum "Tessa" von DJ tINI gearbeitet.

Kit Sebastian (DJ-Set)

Das in London lebende Duo Kit Sebastian (alias Kit Martin und Merve Erdem) fesselt sein Publikum mit Momenten purer Pop-Seligkeit, zeitloser Nostalgie und verführerischer Komplexität. Ihr einzigartiger Sound spinnt einen psychedelischen Teppich aus globalen Einflüssen, Vintage-Synthesizern und melancholischem Elan von den Stränden Bahias bis zu den Straßen von Istanbul und Paris. Für Biz Bize haben die beiden ihre Lieblingsplatten dabei und spielen ein DJ-Set für uns.

Volkan T error / Sayko Bass

Volkan Terror aka Sayko Bass gilt mit als einer der Wegbereiter für den türkischen Hip Hop, Hardcore & Metalcore. Er Produzierte u.a. das Türkische Hip Hop Kult Album Rapüstad, komponierte und erarbeitete Stücke für diverse Theater, Filme und Performances und steht seit geraumer Zeit bei verschiedenen Produktionen als Performer und Musiker auf der Bühne. Zurzeit leitet er den Houseclub am HAU Hebbel am Ufer, scheibt für Berlin Bazzar und arbeitet an neuen Performances, Hörspielen, Soundkollagen und Podcasts. Unter den Namen Volkan Terror / Sayko Bass macht er Slam Poetry oder Hip Hop, produziert für Ayben und Avaz Kapli oder arbeitet an Lofi Beats bis hin zu Techno. Aktuell gründete er das Studio Beatüstad und konzentriert sich auf Turkotronica ein gemeinsames Projekt mit Ayben & Atif Ülkü oder spielt E-Baglama / E-Cümbüs bei Ottoman Torture „,the most extreme in oriental music" oder rappt lines auf DJ Mahmut Beats.

© Ute Langkafel

Weil wir nicht vergessen

Ein Kollektiv,das sich 2021 aus dem Projekt „Weil wir nicht vergessen“ formte, welches am Maxim Gorki Theater in Berlin durchgeführt wurde. Die junge Gruppe besteht aus 15 Personen,
die durch ihr migrantisch-situiertes Wissen und interdisziplinäre Zugänge, ihre Gefühle und Forderungen künstlerisch zum Ausdruck bringen.Dabei orientiert sich die Gruppe an gesellschaftskritischen Themen, mit denen sie freiwillig und unfreiwillig konfrontiert werden. Es entstehen schauspielerische Bühnenperformances, lyrische Texte und dokumentarische
Filmproduktionen, die im gemeinsamen Einklang präsentiert werden.

In ihrer künstlerischen Auseinandersetzung behandeln sie ihre Rassismuserfahrungen und setzten sich mit würdevoller Erinnerungskultur bezüglich rechter Gewalt in Deutschland
auseinander, dabei liegt der Fokus auf Selbstermächtigung und Empowerment im Kollektiv. Das erste Stück„Weil wir nicht vergessen“ präsentierten die Gruppe im Rahmenprogramm der
Ausstellung Offener Prozess, die sich dem NSU Komplex widmet und dem Hanau Gedenktag, beides am Maxim Gorki Theater in Berlin.

Wir danken dem Maxim Gorki Theater für die freundliche Aufführungsgenehmigung. Mit diesem Sonderprojekt ist Gorki X Kooperationspartner des Migration Lab Germany der Stiftung Universität Hildesheim (Zentrum für Bildungsintegration). Das Projekt Migration Lab Germany wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, von der Bundeszentrale für politische Bildung und von der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft. Die Ausstellung, in deren Rahmen das Sonderprojekt stattfand, war eine Kooperation mit Offener Prozess (www.offener-prozess.de), ein Projekt des ASA-FF e.V. und fand im Gorki im Rahmen des 5. Berliner Herbstsalons 2021/2022 statt. ’61-’91-’21: Immer wieder Deutschland wurde gefördert aus den Mitteln des Landes Berlin, Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Mit freundlicher Unterstützung von: